Auf der Spur von Lügnern und Verrätern

Christian Taute. Seine Firma, die Taute Security Management Detektiv Christian Taute, hat ihren Sitz in Berlin, dort wo Emil und seine Detektive Herrn Grundeis gejagt haben. Die Taute-Detektive ermitteln aber auch in Dresden.

Interview mit dem Detektiv Christian Taute zu seiner Arbeit und zu den Kästner-Detektiv-Spielen

Lutz Müller: Herr Taute! Sie betreiben eine Detektei und ermitteln auch in Dresden. Womit beschäftigen Sie sich? Was können Sie für Eltern oder vielleicht sogar für Kinder tun?

Christian Taute: Die meisten Eltern und Kinder stellen sich die Arbeit eines Detektivs vor wie bei James Bond, Sherlock Holmes, TKKG oder den Drei Fragezeichen. Wilde Verfolgungsjagden und die Verhaftung in letzter Sekunde, so etwas gibt es vielleicht bei der Polizei, aber nicht bei uns. Unser Alltag besteht aus Recherchen und Beobachtungen: So finden wir zum Beispiel heraus, wo sich gesuchte Personen verstecken oder ob jemand andere austrickst. So lügen zum Beispiel manche Leute ihren Chef an und lassen sich krank schreiben, dabei sind sie gesund und machen heimlich Urlaub. Oder jemand sagt seiner Frau, dass er immerzu auf Dienstreise muss, dabei will er nur zu seiner Geliebten.

Und oft helfen wir auch, wenn sich Nachbarn streiten. Es gibt nämlich Menschen, die es nicht gelernt haben, sich zu streiten. Wenn die sich ärgern, reden sie nicht. Die zerkratzen ihren Feinden lieber gleich heimlich das Auto, stopfen ihnen Hundekacke in den Briefkasten oder kippen ihnen Müll in den Garten. Wenn wir so etwas beweisen können, ist das oft der erste Schritt, den Streit zu beenden.

Lutz Müller: Was waren Ihre größten Fälle?

Christian Taute: Darüber dürfen wir natürlich nicht sprechen, das wird zu Beginn eines Falls mit dem Auftraggeber so abgemacht. Große Fälle hat man als Detektei mit großen Kunden, zum Beispiel mit bekannten Unternehmen, die Angst davor haben, dass ihnen Konkurrenten wichtige Informationen stehlen.  Da helfen wir gerne und arbeiten oft auch längerfristig zusammen.

Lutz Müller: Die Diebesbande im Großen Garten wird von Spionen unterstützt, die den Ermittlern bekannt sind. Was empfehlen Sie den Ermittlern, damit sie selbst bei der Arbeit unerkannt bleiben.

Christian Taute: Ein Ermittler darf nicht auffallen, das ist das Allerwichtigste! Dabei zählen zwei Dinge: Die Kleidung und das Verhalten. Die Kleidung muss zur Umgebung passen. Am besten man trägt eine ähnliche Kleidung, wie auch derjenige, den man beobachtet. Ein unauffälliges Verhalten ist ebenso wichtig. Dazu gehört, genügend Abstand zu halten und sich ganz natürlich zu bewegen. Direkten Augenkontakt sollte man dabei immer vermeiden. Wenn man jemanden mehrere Tage beobachtet, dann kann man auch ein bisschen tricksen: einen künstlichen Bart ankleben, eine Brille aufsetzen, eine Perücke tragen, einen Hut tief ins Gesicht ziehen und vieles mehr.

Lutz Müller: Im Großen Garten und in der Neustadt müssen die Detektive damit rechnen, enttarnt, verfolgt und überwacht zu werden. Wurden Sie auch schon mal enttarnt, verfolgt und überwacht. Und wie schüttelt man Verfolger ab?

Christian Taute: Am besten ist es natürlich, wenn man gar nicht erst erwischt wird, einem guten Detektiven passiert das auch nur ganz selten. Wichtig ist es, sich schon im Vorfeld eine glaubhafte Geschichte auszudenken, die den Anderen auf eine falsche Fährte führt. Das ist die gängigste Methode. Hat man den Verdacht, dass die eigene Tarnung aufgeflogen ist, ist es besser den Einsatz abzubrechen und einen Kollegen übernehmen zu lassen.

Lutz Müller: In der Neustadt müssen die Ermittler davon ausgehen, dass in jedem Auto auf der Straße ein Mitglied der Popkornbande sitzt, das sie überfahren will. Wurden Sie bei Ihren Ermittlungen auch schon mal bedroht? Und wie schützen Sie sich?

Christian Taute: Bedrohungen sind die absolute Ausnahme. Im Falle einer akuten körperlichen Bedrohung verhält man sich am besten genauso wie jeder andere Menschen auch. Man versucht die Situation zu beruhigen, hält Abstand und signalisiert, dass man keinen Ärger möchte. Oft reicht das schon aus, um die Gemüter zu beruhigen. Gelingt das nicht, macht man Passanten auf die Situation aufmerksam und bittet sie, die Polizei zu verständigen.

Lutz Müller: In der Neustadt müssen die Ermittler einen Code knacken. Haben Sie bei Ihrer Arbeit auch mit Codes und Verschlüsselungen zu tun?

Christian Taute: Ja, das haben wir. Heutzutage gibt es kaum noch technische Geräte, die nicht über Codes oder Passwörter geschützt sind – jeder kennt das von seinem eigenen Handy oder vom Computer. Allerdings müssenb auch wir uns an die Datenschutzgesetze halten. auch wir dürfen nicht einfach Passwörter knacken oder Computer hacken. Aber es gibt natürlich bestimmte Geheimcodes, die Verbrecher benutzen, um zu kommunizieren oder um bestimmte Dinge zu kennzeichnen. Viele davon kennen wir und können einschreiten.

Lutz Müller: In der Neustadt und im Großen Garten müssen die Ermittler einen Verräter enttarnen. Zu Verrätern sagt man heute auch whistle-blower. Haben Sie schon gegen whistle-blower ermittelt?

Christian Taute: Selbstverständlich! Jeder, der Informationen aus der eigenen Firma gegen Geld an andere Firmen weiterleitet, ist ein Verräter, der damit großen Schaden anrichten kann. Dieser Bereich gehört zu unseren Hauptaufgaben. Dadurch haben meine Kollegen und ich schon viel Schaden von Unternehmen abwenden können.

Lutz Müller: Im Großen Garten ist die Polizei bei einem Verhaftungsversuch daran gescheitert, dass die Polizisten zu dick und unsportlich waren. Müssen Sie für Ihre Arbeit sportlich sein?

Christian Taute: Man muss nicht, aber es ist sehr hilfreich. Unsere Observationen dauern oft viele Stunden, häufig wird auch die ganze Nacht durch gearbeitet oder auch mehrere Tage hintereinander - da muss man körperlich und geistig fit sein! Sonst steht man das nicht durch.

Lutz Müller: Im Großen Garten stellen die Täter den Ermittlern Fallen. Wurden Sie schon mal ausgetrickst und hereingelegt?

Christian Taute: Da die Täter meistens nicht wissen, dass wir ihnen auf der Spur sind, können sie auch keine Fallen stellen. Wenn die Täter allerdings Verdacht schöpfen, kann es passieren, dass sie ganz besonders vorsichtig sind und ganz genau schauen, wer sich in ihrer Nähe befindet. Dann muss man abwägen, ob man eine Operation lieber abbricht, oder ob man ganz behutsam weiter macht.

Lutz Müller: In der Neustadt müssen die Ermittler tief in der Vergangenheit graben, um den Fall zu lösen. Hatten Sie auch schon mal einen Fall mit einer langen Vorgeschichte?

Christian Taute: Lange Vorgeschichten sind viel häufiger als man denkt, weil viele Menschen erst einmal auf eigene Faust versuchen, Licht in eine bestimmte Angelegenheit zu bringen. Oder sie zögern und wägen ab, ob sie sich an einen Detektiv wenden sollen oder nicht. Das passiert oft bei Unterhaltsdelikten, z.B. wenn sich die Eltern getrennt haben und der Vater schwindelt, dass er kein Geld hat, damit er der Mutter für die Kinder nichts geben muss. Solche Fälle haben fast immer eine lange Vorgeschichte.

Lutz Müller: In der Neustadt und im Großen Garten arbeiten die Täter mit Sprengstoffen. Hatten Sie schon mit Sprengstoffen zu tun?

Christian Taute: Nein. Zum Glück nicht. Das ist Aufgabe der Polizei. Dafür braucht man eine Spezial-Ausbildung. Das ist keine Detektiv-Arbeit.

Lutz Müller: In der Neustadt und im Großen Garten gelingt es den Kindern, die Täter zu überführen und zu verhaften. Haben Ihre Ermittlungen auch schon mal zu einer Verhaftung geführt?

Christian Taute: Ja, das haben sie. Oft müssen Detektive vor Gericht Aussagen machen, die den Täter belasten. Wenn ein Täter dann überführt und bestraft wird, ist das ein schönes Gefühl für einen Detektiv und eine gute Motivation, den nächsten Fall auch zu lösen.

Lutz Müller: Danke für das Gespräch.